Balkon-Knigge: Was Mietern auf ihrem Balkon erlaubt ist und was nicht

Geschrieben am 25.05.2020 von Britta Bettendorf

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Wer einen Balkon besitzt, der nutzt ihn in Zeiten wie diesen besonders gern: Luftschnappen ohne Angst und ohne Atemschutzmaske. Plauschen mit dem Nachbarn auf Abstand. Auch ein freizügiges Sonnenbad bietet sich an. Und natürlich wie jedes Jahr ein leckerer Gaumenschmaus vom Grill. Gerade jetzt, wo sich bei schönem Wetter das Leben vieler verstärkt auf dem Balkon abspielt, ist es gut zu wissen, was dort erlaubt ist und was besser unterlassen werden sollte. 

Der Balkon gehört zur Wohnung wie alle anderen Zimmer. Folglich darf ihn der Mieter prinzipiell so nutzen, wie er möchte. Ein paar Regeln muss er aber beachten, um Ärger mit dem Vermieter oder Nachbarn zu vermeiden. Wir fassen die wichtigsten Rechte und Pflichten auf dem Balkon im Überblick zusammen. 

Nackt auf dem Balkon? 

Wer eine makellose Bräune erzielen will, sollte darauf achten, dass sich die Nachbarn nicht gestört fühlen. Das Schamgefühl ist nun mal sehr unterschiedlich ausgeprägt. Ist der Balkon gut einsehbar und jemand fühlt sich berechtigt gestört, kann auch hier ein Ordnungsgeld erhoben werden. 

Übrigens: Sex auf einer einsehbaren Terrasse kann zur Abmahnung führen, wenn der Vermieter den Hausfrieden gestört sieht. 

Sicht- und Sonnenschutz 

Ein unauffälliger Sichtschutz kann - siehe oben - von Vorteil sein und ist auch erlaubt. Allerdings darf er die Höhe der Balkonbrüstung nicht überragen. Auch sollte das Mauerwerk unbeschädigt bleiben. 

Wer sich vor der Sonne schützen möchte, muss den Vermieter fragen, ob er eine Markise anbringen darf. Ohne sein Einverständnis dürfen keine größeren baulichen Veränderungen vorgenommen werden. Kleinere Handgriffe wie das Bohren von Löchern und Anbringen von Dübeln oder Haken an der Wand sind jedoch erlaubt. Deswegen ist ein Sonnensegel gestattet, eine aufwendige Verglasung aber nicht. 

Als Faustregel gilt: Der Vermieter kann alles verbieten, was aus dem Balkon einen abgeschlossenen Raum macht. Daher auch die Regel, dass ein Sichtschutz maximal die Höhe des Geländers haben darf. Zudem darf ein Sicht- oder Sonnenschutz die Außenfassade des Hauses nicht verschandeln. 

Möbel auf dem Balkon 

Ein Strandkorb gilt nicht als balkontypisches Sitzmöbel und muss, wenn sich jemand daran stört, entfernt werden. Sonnenschirme, Tische und Stühle dürfen aber selbstverständlich auf den Balkon gestellt werden. Es geht generell immer um den Gesamteindruck, der nicht erheblich gestört werden darf. 

Vogelhäuser 

Auf einem Balkon dürfen Vogelhäuschen aufgestellt und Futter an Vögel verteilt werden. Nachbarn, die dem Füttern der Vögel nichts abgewinnen können, müssen das akzeptieren. Es sei denn, bei den Vögeln handelt es sich um Tauben oder Möwen. Da diese Vogelarten Krankheiten übertragen und noch dazu sehr laut sind, kann die Fütterung in der Hausordnung verboten werden.

Bepflanzung und Begrünung 

Wer Pflanzen und Blumen liebt, darf mit ihnen seinen Balkon beliebig gestalten – solange er die Nachbarn nicht beeinträchtigt. Das kann bei ausladenden Pflanzen der Fall sein, die auf den Nachbarbalkon ragen. Lang wachsende Pflanzen müssen deshalb regelmäßig zurückgeschnitten werden, damit Blüten, Blätter und Vogelkot nicht die darunter wohnenden Nachbarn stört. 

Was aber, wenn der Nachbar sich beschwert, dass er beim Blumengießen von oben nass wird? 

Ein solcher Fall landete vor dem Landgericht München. Die Richter entschieden: Balkonblumen zu haben und diese zu gießen ist normal. Die im Erdgeschoß wohnende Nachbarin muss aber nicht hinnehmen, dass beim Blumengießen immer wieder Wasser auf ihren Frühstückstisch oder in den Nachmittagskaffee tropft. Die Hobbygärtnerin aus dem ersten Stock muss sich deshalb vor dem Gießen erkundigen, ob durch heruntertropfendes Wasser jemand gestört werden könnte und im Zweifel die Pflanzenpflege auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. 

Katzennetz 

Wer ohne Zustimmung des Vermieters ein Katzennetz oder -gitter zum Schutz der Samtpfoten anbringt, kann Pech haben: Denn der Vermieter kann verlangen, dass es entfernt wird. 

Womöglich gibt es aber auch einen Anspruch auf die Zustimmung des Vermieters. Das haben Gerichte insbesondere dann entschieden, wenn das Netz keine baulichen Veränderungen erforderte, also das Haus nicht beschädigt wurde und das Netz rückstandsfrei demontiert werden konnte. 

Zweites Kriterium: Das Erscheinungsbild des Hauses wird nicht verändert. Ist das Netz kaum zu sehen, darf es bleiben. Diese Voraussetzung ist beispielsweise dann erfüllt, wenn das Katzennetz oder -gitter im Prinzip gut sichtbar ist, aber auf einem Balkon angebracht ist, der an der Rückseite des Hauses und nicht zur Straße hin liegt. Die Fassade wäre damit nicht beeinträchtigt. 

Fahnen und Flaggen 

Es ist erlaubt, Fahnen und Flaggen auf seinem Balkon aufzuhängen. Besonders Fußballfans tun das gerne. Zu beachten ist aber, dass erstens Nachbarn nicht gestört werden, weil die Flaggen die Sicht einschränken oder ihren Balkon verdunkeln. Zweitens, dass die Fassade beim Aufhängen nicht beschädigt wird. Und drittens müssen Fahnen so sicher angebracht sein, dass sie nicht herunterfallen und Passanten verletzen können. 

Wäscheleinen auf dem Balkon 

Auf dem Balkon darf eine Wäscheleine gespannt und daran auch Wäsche getrocknet werden. Selbst wenn im Hof eine Wäschespinne und in einem separaten Raum ein Wäschetrockner warten, dürfen Hosen, Hemden und Socken auf dem Balkon flattern. 

Grillen

Grillen auf dem Balkon ist grundsätzlich erlaubt. Nachbarn dürfen zwar die Nase rümpfen, müssen es aber akzeptieren. Es sei denn, im Mietvertrag ist das Grillen auf dem Balkon oder der Terrasse ausdrücklich verboten. In diesem Fall droht bei Missachtung eine Abmahnung oder die Kündigung. 

Gibt es zum Grillen im Mietvertrag oder in der Hausordnung keine Vereinbarungen, gilt das Gebot der Rücksichtnahme: Gerüche und Rauch dürfen nicht in unzumutbarem Maße in die Wohnungen der Nachbarn dringen. Die Nachbarn wiederum sollten es auch großzügig hinnehmen, wenn gegrillt wird. Es gibt dazu etliche Gerichtsurteile. Die Richter halten Grillen für eine übliche, im Sommer gebräuchliche Art der Zubereitung von Speisen und halten eine bestimmte Anzahl von Grillveranstaltungen für angemessen. Wie oft genau das sein darf, darüber sind sich die Gerichte dann allerdings uneinig. 

Die Entscheidungen lauten von "einmal im Monat zwischen April und September" über "fünf Mal im Jahr" bis zu "sechs Stunden jährlich", was etwa drei Grillfesten entsprechen soll. Einige Gerichte finden, man solle seine Nachbarn 48 Stunden vor dem Grillabend darüber informieren. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, verwendet einen Elektrogrill. Mit diesen werden die Nachbarn deutlich weniger durch Qualm und Grillgeruch beeinträchtigt. 

Feiern 

Jeder darf Freunde und Familie zu sich nach Hause einladen – und auch auf seinen Balkon. Drinnen wie draußen gilt allerdings: Der Geräuschpegel muss ab 22 Uhr Zimmerlautstärke betragen. Nun ist das auf dem Balkon häufig schwierig einzuhalten, da auch ruhig geführte Gespräche etwa durch Halleffekte in die umliegenden Wohnungen eindringen können und gerade nachts unverhältnismäßig laut klingen. Deswegen sollte auch im Sommer die Nachtruhe eingehalten werden und die Party ab 22 Uhr nach drinnen verlegt werden. 

Rauchen 

Lange galt es als Grundrecht, in seiner Wohnung und auch auf dem dazu gehörenden Balkon im Sinne der freien Wahl der Lebensführung rauchen zu dürfen. Anfang 2015 schränkte der Bundesgerichtshof dieses Recht allerdings ein: Rauchen darf nur noch, wer die Nachbarn dadurch nicht erheblich beeinträchtigt. Fühlen sich Nachbarn durch den Tabakqualm zu sehr gestört, können Raucher verpflichtet werden, nur noch zu bestimmten Zeiten auf dem Balkon zu rauchen. Entscheidend dabei ist die Zahl der gerauchten Zigaretten am Tag. Denn nicht jede gefühlte Störung kommt einer erheblichen Beeinträchtigung gleich. 

Im Streitfall müssen Richter entscheiden, wie massiv die Belästigung ist, und beliebte Zeiten zum Aufhalten auf dem Balkon gerecht verteilen. Das kann bedeuten, dass Raucher in den Sommermonaten nur zu bestimmten Zeiten auf dem Balkon ihrem Laster nachgehen dürfen. Ein fairer Umgang miteinander ist hier sicher das Maß der Dinge.


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